Vor und Nachteile eine Rede frei zu halten

Eine Rede frei zu halten, gilt unter Fachleuten der Rhetorik als eine Selbstverständlichkeit. Das sich vor allem Politiker nicht daran halten, gab schon in der Vergangenheit immer wieder gute Vorlagen zum Spott über die mangelhafte Ausdrucksfähigkeit der Staatsdiener.

Wenn man sich mal eine Übertragung aus dem Bundestag ansieht, so wird man auch heute noch immer wieder Politiker zu sehen bekommen, die da an einem Pult stehen, vom Blatt ablesen und nach jedem dritten Wort hoch schauen, um zu überprüfen ob alle noch da sind. Das sind sicher keine Reden die frei gehalten werden! Wie glaubwürdig klingt wohl der Appell eines Politikers, wenn er nur vom Blatt abgelesen wird?!? Natürlich fühlt man sich etwas sicherer, wenn man bei einer Rede, nicht wirklich darüber „nachdenken“ muss was man sagt, sonder das Ganze einfach nur vorlesen kann.

Aber genau diese „Bequemlichkeit“ ruiniert, die Qualität jeder Rede. Eine Rede ist nun mal nicht einfach: „Ich erzähle jetzt mal was…!“. Während einer Rede kommuniziert man mit dem Publikum und versucht Sie von seinem Standpunkt zu überzeugen. Genau genommen darf man bei einer Rede gar nicht in, „frei“ und „unfrei“ unterteilen. Denn wer seiner Rede nur als Schriftstück eine gute Form geben kann, sollte darüber nachdenken Autor zu werden und beim schreiben zu bleiben.

Zwischen einem lautlos gelesenen und einem gesprochenen Text liegen Welten.

Prof.Dr. Walter Sendlmeier

Es kostet viel Zeit sich selbst auf eine Rede vorzubereiten. Selbst wenn man sich nur eine sehr kurze Rede zurechtlegt, so muss man sich doch mehr überlegen, als nur das WAS man sagen möchte. Wie formuliere ich die Dinge die ich ansprechen möchte? Wie betone ich, diesen oder jenen Teil der Rede? Wie stehe ich während ich rede? Wie wirke ich auf andere, wenn ich rede?

Das und noch vieles mehr, sind sehr detaillierte Fragen, die man sich stellen muss um eine gute Rede vorzubereiten. Wie schon der Philosoph und Literaturwissenschaftler, Friedrich Theodor Vischer sagte: „Eine Rede ist ein für allemal keine Schreibe.“