Ist eine Rede abzulesen wirklich sinnvoll?

Schreibt man eine Rede, ist die wichtigste Regel, dass sie nicht anderst klingen sollte, wie eine Aus-dem-Stehgreif Rede. Wie schon der gute alte Tucholsky ironisch sagte: „Sprich, wie du schreibst und ich weiß, wie du schreibst…!“ Was er damit ausdrücken wollte ist einfach.

Es ist manchmal schon sehr schwer, ineinander geschachtelte Nebensätze zu verstehen, wenn sie aufgeschrieben wurden. Ein Zuhörer, der keinen Text hat, wo er noch mal nachlesen kann, wird dabei völlig durcheinander kommen. Der Sinn einer Rede ist, seinen Gegenüber von etwas zu überzeugen, wenn der Zuhörer aber völlig verwirrt ist, weil man so komplizierte Formulierungen verwendet, war`s das. In so einem Fall, kann man sich die Rede gleich schenken. Es macht eben keinen Sinn eine Rede zu halten, die keiner versteht.

„Ob wir wollen oder nicht, in unseren Tagen liegt die Macht beim Wort – die Macht gehört denen, die reden können.“ (Lord Salisbury)

Man kann sich eine Rede zwar als „Manuskript“ aufschreiben, aber damit würde man eine weitere Grundregel für Reden „brechen“. Denn bei einer Rede ist praktisches „Multi-Tasking“ (Reden/Lesen/Zuhörer ansehen) nicht wirklich schön. Sicher ist es in Ordnung wenn ein Buchautor bei einer „Lesung“ aus seinem Buch vorliest, aber es geht hier ja um eine Rede. Wer auch immer seine Rede abliest, verliert sehr schnell die Möglichkeit, seine Zuhörer für sein Thema zu begeistern.

Rede ablesenBei einer vorgelesenen Rede, kommt schneller Langeweile auf, als man denkt. Dazu kommt noch ein anderer „psychologischer“ Faktor. Wer nimmt denn schon einen Redner wirklich ernst, wenn der seine Nase nur in einen Stapel Papier steckt?!?! Um sich „schriftlich“ auf eine Rede vorzubereiten, sollte man besser auf solche „Manuskripte“ verzichten oder sein geschriebenes Manuskript auswendig lernen.

Wer darauf verzichten kann, wird auch mit ein paar Stichworten für Themen und Formulierungen auch gut zurechtkommen. Eine „frei gehaltene“ Rede kommt bei den Zuhörern immer besser an, als eine abgelesene, deshalb sollte man mit dem „Schreiben“ einer Rede sehr vorsichtig sein.