Trauerrede – Was gehört rein? 5 wichtige Faktoren

Es ist an sich schon nicht ganz einfach, eine gute Rede zu halten. Eine Trauerrede ist aber noch einmal eine ganz besondere Herausforderung. Schließlich ist es nicht leicht, die richtigen Worte zu finden, wenn Du Dich selbst sprachlos fühlst. Wie es Dir trotzdem gelingen kann, vor der Trauergemeinde zu sprechen, und was Du generell über die Trauerrede wissen solltest, erklären wir Dir hier.

Wer hält eine Trauerrede?

Es gibt keine festen Regeln, wer eine Trauerrede halten muss und wer alles eine Trauerrede halten kann. Es ist vielmehr eine individuelle Entscheidung, wer ein paar Worte an die Trauergemeinde richten möchte. Oft ist es so, dass die direkten Hinterbliebenen, nahe Angehörige, enge Freunde oder gute Bekannte eine Trauerrede halten. Wenn der Verstorbene längere Zeit für ein Unternehmen tätig war oder enge Beziehungen zu Geschäftspartnern gepflegt hat, findet sich aus diesen Reihen häufig ebenfalls ein Trauerredner. Manchmal werden auch professionelle Trauerredner engagiert, die nur eine Trauerrede halten oder die gesamte Trauerfeier leiten. Wenn Du eine Trauerrede halten möchtest, kannst Du ruhig das Wort ergreifen. Spreche Dich dann aber mit demjenigen, der die Beerdigung organisiert, ab. Wirst Du von den Angehörigen des Verstorbenen darum gebeten, eine Trauerrede zu halten, solltest Du ihnen diesen Wunsch nicht abschlagen.

 

Was gehört in eine Trauerrede? Wie ist sie aufgebaut?

Eine Trauerrede ist immer eine individuelle Angelegenheit. Deshalb darfst Du ruhig zum Ausdruck bringen, was Du empfindest. Auch was die Inhalte angeht, musst Du keine starren Regeln beachten. Ob Du sehr persönliche Worte wählst, Deine Rede auf einem Zitat, Vers oder Psalm aufbaust oder sie eher philosophisch anlegst, bleibt also Deinem Geschmack überlassen. Allerdings gibt es ein Schema, das sich in der Praxis bewährt hat. Demnach sollte sich Deine Trauerrede aus drei wesentlichen Bestandteilen zusammensetzen:

 

1. Dankbare Erinnerung

Im ersten Abschnitt Deiner Trauerrede kannst Du auf das Leben des Verstorbenen zurückblicken. Du kannst über sein Leben und seine Geschichte erzählen. Du kannst über gemeinsame Erlebnisse berichten oder auf besondere Ereignisse zurückblicken. Um die richtigen Worte für diesen Teil Deiner Trauerrede zu finden, kannst Du Dir Gedanken machen über Fragen wie:

  • Was war der Verstorbene für ein Mensch? Was hat ihn besonders gemacht?
  • Was war typisch für den Verstorbenen? Dies können beispielsweise bestimmte Verhaltensweisen, prägende Charaktereigenschaften oder typische Sprüche und Kommentare gewesen sein.
  • Gibt es Geschichten oder Anekdoten, die der Verstorbene immer erzählt hat? Oder die andere über ihn erzählen?
  • Was hat der Verstorbene erreicht? Was war ihm wichtig? Wie hat er sein Leben ge- und erlebt? Worauf war er am meisten stolz?
  • Was verbindet Dich mit dem Verstorbenen?
  • Was fällt Dir als erstes ein, wenn Du an den Verstorbenen denkst?

 

2. Ein letzter Abschied

Nach dem Rückblick folgt im nächsten Abschnitt die Verabschiedung. Du sagst dem Verstorbenen ein letztes Mal “Adieu”. Dabei kannst Du den Verstorbenen direkt ansprechen. Du kannst ihm eine gute Reise wünschen, ihm “Auf Wiedersehen” sagen oder zum Ausdruck bringen, was Du bei Deiner Verabschiedung ganz persönlich noch loswerden willst. Vielleicht hast Du ja eine Vorstellung davon, wie es dem Verstorbenen jetzt geht oder was Du Dir für ihn wünschst. Statt einer direkten Ansprache kannst Du aber selbstverständlich auch weiterhin zu der Trauergemeinde sprechen.

3. Trost und der Blick nach vorne

Deine Trauerrede solltest Du mit dem Blick nach vorne abschließen. Die Trauernden brauchen jetzt Kraft, um den Schmerz zu überwinden und den Verlust zu verkraften. Aber ihr Leben geht weiter. Versuche deshalb, Worte zu finden, die Trost spenden und Mut machen.

Ein wunderbares Beispiel für eine außergewöhnliche, aber gerade deshalb sehr bewegende Trauerrede kannst Du Dir hier anschauen:

 

Wo wird eine Trauerrede gehalten und wie lang sollte sie sein?

Trauerrede mit DetailsEine Trauerrede wird in aller Regel während der Trauerfeier gehalten. In der Trauerhalle, der Trauerkirche oder der Friedhofskapelle steht üblicherweise ein Rednerpult und dorthin gehst Du, wenn Du Deine Trauerrede hältst. Du wirst Dich vorher mit dem Priester, Pastor oder Organisator der Trauerfeier abgesprochen haben, wann Du an der Reihe bist. Seltener spricht ein Trauerredner am Grab, wobei dann oft nicht mehr von einer Trauerrede, sondern von einer Grabrede gesprochen wird.

Was die Länge der Trauerrede angeht, so gilt als Faustregel, dass die Rede nicht länger dauern sollte als fünf Minuten. Niemand möchte sich bei einer Trauerfeier stundenlang irgendwelche Reden anhören. Die Trauerfeier gilt dem Verstorbenen und ist die letzte Möglichkeit, ihm noch einmal die Ehre zu erweisen. Fasse Dich also kurz, denn Du als Redner bist nicht derjenige, der bei diesem Anlass im Mittelpunkt steht.

 

5 Tipps zur Trauerrede

Zum Abschluss möchten wir Dir noch 5 Tipps mit auf den Weg geben:

1. Spreche langsam und deutlich. Wenn Du zum Rednerpult gehst und wenn Du Deine Trauerrede hältst, kannst Du Dir Zeit nehmen. Zum einen bewirkt die Trauer häufig, dass sich die Angehörigen und Hinterbliebenen wie gelähmt fühlen. Zum anderen sollte eine Trauerfeier von Andächtigkeit und Respekt geprägt sein. Es gehört sich nicht, wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Kirche oder Kapelle zu rennen. Gehe also ruhig zum Pult. Dort angekommen, solltest Du Blickkontakt zur Trauergemeinde aufnehmen. Wenn Du sprichst, spreche langsam und deutlich. Stelle Dir am besten vor, Du sprichst diejenigen an, die ganz hinten im Raum sitzen oder nicht gut hören. Zwischen Deinen Sätzen darfst Du ruhig auch Pausen machen. Vor allem wenn Du auf das Leben des Verstorbenen zurückblickst, gibst Du den Zuhörern so die Möglichkeit, sich kurz auf ihre eigenen Erinnerungen einzulassen.

2. Halte Deine Rede eher einfach. Versuche bitte nicht, besonders originell oder kreativ zu sein. Es ist ohnehin schon nicht allzu leicht, die richtigen Worte zu finden, die einfühlsam sind und Trost spenden, ohne pathetisch zu wirken. Du musst nicht versuchen, herausragende Formulierungen zu finden. Greife ruhig auf bewährte Ausdrücke und Redewendungen der Anteilnahme zurück. Eine persönliche Rede in schlichten Worten kommt immer besser an als eine aufgesetzte, pseudo-intellektuelle Rede, die womöglich kaum einer versteht.

3. Hör auf Dein Gefühl. Neben der persönlichen Note kommt es bei einer Trauerrede vor allem darauf an, dass sie ehrlich und authentisch ist. Du musst Dich deshalb nicht an irgendwelche Ratgeber halten, die vermeintliche Regeln vorgeben. Dies gilt zum Beispiel für die Anrede. Natürlich kannst Du Deine Trauerrede mit einer Anrede beginnen. Dabei wirst Du in aller Regel zuerst den Ehepartner, dann die Kinder und engsten Angehörigen und danach die übrigen Trauergäste ansprechen. Wenn Du willst, kannst Du auch den Verstorbenen beim Namen nennen, wenn Du ihn auch in Deiner Rede direkt ansprechen wirst. Andererseits distanzierst Du Dich durch Deine Anrede von der Trauergemeinde. Du wirkst wie ein Außenstehender, obwohl Du selbst ein Trauergast bist. Deshalb spricht überhaupt nichts dagegen, dass Du auf eine Anrede als Eröffnung verzichtest, wenn Dir nicht danach ist. Genauso ist es mit der Form. Oft wird geraten, eine Trauerrede in der Wir-Form zu halten. Auch das solltest Du aber nur als Vorschlag und keineswegs als vorgeschriebene Form verstehen.

4. Sage nichts Schlechtes über den Verstorbenen. Grundsätzlich gilt, dass man über Tote nicht schlecht spricht. Natürlich darfst Du in Deiner Trauerrede auch an Eigenschaften, Merkmale oder Gewohnheiten des Verstorbenen hinweisen, die in seinem Umfeld nicht so gut ankamen. Und selbstverständlich darfst Du es erwähnen, wenn der Verstorbene manchmal schwierig war. Aber eine Trauerrede ist keine Gelegenheit für eine Abrechnung. Gebe Deinen Ausführungen außerdem eine positive Wendung, beispielsweise indem Du sagst, dass Dir gerade die Diskussionen oder die kleinen Spleens fehlen werden. Andersherum solltest Du Dich auf einige wenige positive Eigenschaften beschränken. Wenn Deine Trauerrede zu einem endlosen Lobgesang wird, kann sie schnell sehr unglaubwürdig wirken.

5. Du darfst ablesen. Nirgends steht geschrieben, dass Du Deine Trauerrede frei vortragen musst. In der Trauer hast Du sicher anderes im Kopf, als eine Rede auswendig zu lernen. Vielleicht bist Du ergriffen oder nervös und verlierst womöglich den Faden. Dies ist zweifelsohne unangenehmer als die Rede abzulesen. Achte nur darauf, dass Du nicht durchweg auf das Papier starrst. Schaue stattdessen immer wieder hoch und sieh Deine Zuhörer an.

Laß warm und hell die Kerzen heute flammen,
die Du in unsere Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen!
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Dietrich Bonhoeffer

Zu einem Abschied und einem Nachruf kann man niemanden wirklich begrüßen, das gilt auch für das Leben und besondere Wirken des Sir Peter Alexander Ustinov. Als Kind einer multinationalen Familie sagte er selbst von sich, dass er in Sankt Petersburg gezeugt, in London geboren und in Schwäbisch Gmünd getauft wurde.

So vielschichtig, wie sein Leben mit seiner Herkunft begann, so vielschichtig führte dieser beeindruckende Mann sein Leben auch weiter. Während er den meisten Menschen als unvergleichliches Gesicht von „Hercule Poirot“ in Erinnerung bleibt, so hat er doch in seinem Leben viel mehr geleistet. Sein Einsatz für das Leben und die Gemeinschaft, war geprägt von einer außergewöhnlichen Toleranz, wie sie es nur in so einem Leben wie seinem entstehen konnte.

Mehr als alle seine Einsätze und Künste, die er den Menschen widmete, betrachtete er den Kampf als sein Vermächtnis für die Nachwelt. Vorurteile die mit Hass gegen andere Menschen gepflegt werden, betrachtete er als getarnten Selbsthass. Obwohl Sir Peter Ustinov mit seinem Kampf gegen Vorurteile für mehr Toleranz warb, war sie doch nicht mehr für Ihn, als die „Duldung“ der Mitmenschen. Für eine friedlichere Welt, warb er nicht nur mit der Toleranz.

Für Ihn war es auch wichtig in anderen Menschen, ein Stück von sich selbst zu erkennen. Auf seine ganz eigene Art hat er versucht, mit seinem Plädoyer für die Toleranz auch mehr Respekt der Menschen zu fordern. Frei nach dem Motto: „Der andere, das könnte ich sein.“ Sich dieses Vermächtnis zu eigen zu machen, ist sicher eine Art mit der man einen Menschen wie Sir Peter Ustinov auch über eine Trauerrede hinaus zu ehren. Im Gedenken an die Vergangenheit und mit Blick auf die Zukunft hat er so ein besonderes Zeichen für die Nachwelt hinterlassen.